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  • Zoe Nogai

Wer Future Work sagt, muss auch Coworking Space sagen




Die schöne neue Arbeitswelt, ein von Plattitüden und fehlinterpretierten Buzzwords geprägtes Phänomen. Vieldiskutierter Bestandteil der Arbeitswelt der Zukunft ist der mobile Arbeitsplatz. Mobiles Arbeiten meint, wie der Name schon sagt, die Arbeit ortsunabhängig durchzuführen, ob an einem fest eingerichteten Platz außerhalb des Bürogebäudes oder sprichwörtlich mobil, also von unterwegs, ob in der Bahn zum Termin oder während der Rundreise durch Bali.


Die Voraussetzungen klingen simpel, sind es aber nicht unbedingt: Entsprechendes Equipment, im Regelfall ein Mobiltelefon und ein Laptop, sowie das nötige Vertrauen von Arbeitgeberseite, auch fernab der Kontrolle durch Vorgesetzte produktiv sein zu können.


Durch einen mobilen Arbeitsplatz fällt die oftmals lästige Fahrt zum und vom Office weg, was Zeit und Nerven der Betroffenen schont und den Verkehr entlastet. Das Konzept ermöglicht also nicht nur mehr Flexibilität für Arbeitnehmer und spart Arbeitgebern Raummiete in teuren Innenstadtbürogebäuden, da die benötigten Räumlichkeiten verkleinert werden können, es ist auch ein wichtiger Bestandteil der Verkehrswende (Meine Gedanken dazu hier).


Home Office - Die bekannteste Option des mobilen Arbeitens


Da die Einführung der Möglichkeit ortsungebunden tätig sein zu können noch nicht so wirklich in Deutschland angekommen ist und Voraussetzungen wie eine ordentliche Vertrauenskultur leider oftmals nur auf Power Point Folien existieren, sind weder die Dimensionen, noch Vor- und Nachteile so richtig geklärt. Für viele heißt mobil zu arbeiten schlichtweg daheim zu bleiben, weil der Paketbote ab zehn Uhr erwartet wird und genießt kein besonders positives Image. Von zuhause zu arbeiten wird gern als Vorwand verstanden auf Arbeitszeit privates zu erledigen und den Tag in Jogginghose auf dem Sofa zu verbringen (Thema fehlendes Vertrauen). Dabei ist diese Möglichkeit ein großer Schritt zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oder eben schlichtweg flexibel Freizeitaktivitäten nachgehen zu können, da die Fahrtzeit eingespart wird.


Das negative Bild der wohl verbreitetsten Art des mobilen Arbeitens entstand meines Erachtens genau an dem Punkt, als die Einführung ohne wirkliche Betrachtung der Auswirkungen und Änderungen geschah, ohne dass Arbeitnehmer wirklich darauf vorbereitet wurden.


Der große Vorteil vom Büro ist, dass die Arbeit mit Betreten des Gebäudes beginnt und mit Verlassen endet. Die klare Räumliche Trennung von Privatem und Beruflichem erleichtert auch die Trennung im Geist. Mit Einführung von Home Office landete die Arbeit im privaten Umfeld, was zwar eine Vereinbarkeit beider Welten erleichtert, aber eine notwendige Trennung eben erschwert. Es existieren bereits diverse Studien darüber, dass die Ausführung der Tätigkeit im Home Office durch den Mangel an sozialen Kontakten und die Schwierigkeit richtig abzuschalten unglücklich und sogar krank macht.


Wer auf die klare Räumliche Trennung verzichtet, gewinnt einiges an Flexibilität, muss sich aber auch in Selbstdisziplin üben. Regeln und Grenzen müssen hier selbst formuliert, aufgestellt und vor allem eingehalten werden. Das gilt für jene, die dazu tendieren gar nicht mehr abzuschalten, als auch die, die sich schnell mal ablenken lassen. Dieser Aspekt wird aus meiner Sicht nicht genügend berücksichtigt und sorgt mit für ein negatives Image des mobilen Arbeitens.


Coworking Spaces - Ein vielversprechender Trend geht in die Fläche


Ein nun auch in Deutschland immer präsenter werdender Trend sind Coworking Spaces, also extra als Arbeitsplatz hergerichtete Flächen, an denen man sich einfach einen Tisch mieten kann. Diese kleinen und meist offen und kreativ gestalteten Büro-Alternativen ziehen vor allem Freelancer und Start Ups an, aber auch immer mehr Konzerne springen auf den Zug auf und bieten Mitarbeitern eigene Shared Workplaces oder Vergünstigungen bei bestehenden Flächen. Durch den Austausch mit Charakteren diversester Hintergründe und Branchen kann man aus der eigenen Filter-Bubble ausbrechen und sich auf einer ganz anderen Basis über Herausforderungen und Herangehensweisen im Job austauschen. Auch regt der Ortswechsel gern mal die Kreativität an.


Die geteilten Arbeitsflächen bieten alle Vorteile eines Büros - die räumliche Abgrenzung, soziale Kontakte und F2F Austausch, und selbst für die Kaffeepause mit den Sitznachbarn ist meistens bestens gesorgt. Zudem sind die kleinen Flächen an deutlich mehr Standorten verteilt als es der Büroturm in der Innenstadt ist, die Anfahrtswege fallen also im besten Fall auch weg.


Fazit


Wie in jeder Debatte gibt es nicht die eine Lösung für jeden. Bei den meisten wird es auf eine Mischung aus Anwesenheiten im Büro, Arrangement der Arbeitszeit um private Angelegenheiten und vor allem das Testen neuer Möglichkeiten herauslaufen. Gerade der letzte Punkt ist jedoch unglaublich wichtig und kommt nach meinem Geschmack oft zu kurz. Ich habe selbst bereits einige Erfahrungen mit Home Office, Arbeit an Urlaubsorten oder Coworking Spaces gemacht und werde in den kommenden Tagen kurze Statements dazu abgeben, wobei ich mich nun vor allem über die Meinung und Learnings der Community freue!


Bildquelle: Universität St. Gallen: Coworking aus Unternehmenssicht – Serendipity- Biotop oder Fluchtort? von Barbara Josef & Andrea Back, S. 40.



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